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21.8.11

Pseudowissenschaft (19): ich mach mir die Statistik die mir gefällt

Statistiken über Städtevergleiche dienen eigentlich ohnehin nur dazu, über Pressemitteilung den Namen des eigenen Unternehmens zu platzieren, und jede Stadt außer Athen oder Neapel "gewinnt" irgendwann mal. Selten aber wird so dreist und offen geschummelt wie in einer "Studie" der UBS (zitiert in der Welt): beim Preisniveau werden einfach mal die Mieten weggelassen (München ist dadurch beim Preisniveau sehr günstig), beim Lohnniveau die Steuer. Wir leben also alle mietfrei und verdienen steuerfrei.

4.5.11

Pseudowissenschaft (18): Geschwurbel statt Information

Der SPIEGEL hat einen sehr guten Artikel über Geschwurbel in den Geisteswissenschaften, mit konkreten Beispielen.

Wem das noch nicht reicht: Postmodernism-Generator

22.4.11

Pseudowissenschaft (17): Ghostwriting (2)

Nach einem amerikanischen Ghostwriter hat nun auch ein deutschsprachiger Ghostwriter ausgepackt: Achim H. Pollert. (Tagesanzeiger Zürich) Beide Ghostwriter haben gemeinsam dass sie über fast beliebige Geisteswissenschaftliche Themen schreiben. Pollert gibt immerhin zu, dass seine Arbeiten nur mittelmässig sind.

17.4.11

Pseudowissenschaft (16): Flüchtlinge aus der Kristallkugel

Eine 2005er Prognose der UN-Tochterfirma UNEP verkündete 50 Millionen "Klimaflüchtlinge" für 2010. Nachdem in 2011 nachgefragt wurde wo die Flüchtlinge bleiben, verschwand die Prognose aus dem web. (SPIEGEL, wattsupwiththat.com, Google Cache, Archive.org)

14.3.11

Es hat "Puff" gemacht




Nachtrag 15.3.2011: Das gibts wirklich, allerdings als Bastelbogen, und es macht nicht "Puff". (Telepolis)

12.3.11

Greenpeace entdeckt Kompetenz

Ein Heinz Smital von Greenpeace (Firma, die "was mit Umwelt" macht), immerhin Physiker, schadroniert in der RP über das Japanische AKW dessen Reaktor wegen Stromausfall nach Erdbeben nicht mehr gekühlt werden kann:
Es werde jedoch mit "sehr hoher Kompetenz" an der Lösung des Problems gearbeitet.
Und so sieht die "sehr hohe Kompetenz" aus (Welt):
Nach Angaben des NISA-Mitarbeiters habe TEPCO drei oder vier Generatorenfahrzeuge vor Ort, könne sie aber nicht anschließen, weil ein passendes Kabel fehle. Gestern abend wurde versucht, dieses Kabel per Flugzeug herbeizuschaffen. Gleichzeitig versuche das Unternehmen, aus einem anderen Kernkraftwerk eine Ersatzbatterie für den Notbetrieb des Kühlsystems zu dem havarierten AKW zu bringen.
Das konte auch niemand ahnen, dass in Japan Erdbeben auftreten! Und schon gar nicht dass dann auch noch der Strom ausfällt. Völlig überraschend!

23.2.11

Pseudowissenschaft (15): Der verständnisvolle Doktorvater

Die Universität Bayreuth hat heute - bewusst oder zufällig - dem noch-Verteidigungsminister besonders schnell seinen Doktortitel aberkannt. Damit ist der wohl aus den Schlagzeilen raus und kann auf den nächsten Skandal warten.

Ein anderer Skandal wird kaum thematisiert: nämlich dass der Doktorvater des Ministers, ein gewisser Prof. Dr.² Peter Häberle, schlecht gearbeitet hat, und auch nach den Anschuldigungen seinen Doktoranden vehement verteidigt hat. Ihm hätte auffallen müssen, dass sich der Schreibstil im Text ständig änderte. Oder dass manches vorher schon mal in der Zeitung zu lesen war. Oder dass, wie Rezensent Prof. Dr. Fischer-Lescano schreibt, "der Autor seinen Verfassungsbegriff nicht hinreichend entfaltet und damit weit hinter der wissenschaftlichen Diskussion zurückbleibt".

Die Note (*) "Summa cum Laude" war wohl eher Ausdruck der Bewunderung für den aufstrebenden Abgeordneten. Der Universität Bayreuth kann man den Vorwurf machen, dass sie keine Plagiatsfinder-Software eingesetzt hat, und nicht einmal routinemässig Google benutzt hat.

Nachtrag 25.2.2011: Ring frei in Bayreuth! Prof. Dr. Oliver Lepsius, ein direkter Kollege von Häberle, verkündet "Wir sind einem Betrüger aufgesessen". (FTD)

Nachtrag 26.2.2011: Lepsius hat nochmal nachgelegt, und er nicht irgendein Kollege von Häberle, sondern sein Nachfolger, und attestiert dem Minister "Realitätsverlust". (FTD)

Auch als Video:


Nachtrag 28.2.2011: Häberle ist überraschend aufgewacht und macht eine 180° Wende, schreibt von "schweren, unvorstellbaren Mängeln". (Welt)

Nachtrag 1.3.2011: Rücktritt des Ministers.

Nachtrag 3.3.2011: Zweitgutachter Rudolf Streinz im Interview (SPIEGEL)

(*) Mir ist unklar, ob die Note durch den Doktorvater selbst oder durch andere vergeben wurde. Somit soll hier nicht behauptet werden, dass Häberle die Note vergeben habe.

12.1.11

Pseudowissenschaft (14): Beforschte Pinguine

Ich fand es ja schon immer blöd, frei lebende Tiere mit Markierungen oder Messeinrichtungen zu belästigen, für irgendwelche "Forschungsergebnisse" die nicht wirklich wichtig sind. Inzwischen ist klar, dass sich dies negativ auf die Tiere auswirkt, zumindest wenn es sich um Pinguine handelt. (FTD) Es handelt sich um ein weiteres Beispiel vom Beobachter-Effekt (im bekannten Film "The Man Who Wasn't There" fälschlich als "Heisenberg Effekt" bezeichnet). Wer es noch dreister mag, der schaue zu den Soziologen und lese Teilnehmende Beobachtung.

21.11.10

Pseudowissenschaft (13): Ghostwriting

Ein Ghostwriter packt aus (The Chronicle of Higher Education). Besonders gut gefällt mir dies:
Over the years, I've refined ways of stretching papers. I can write a four-word sentence in 40 words. Just give me one phrase of quotable text, and I'll produce two pages of ponderous explanation. I can say in 10 pages what most normal people could say in a paragraph.
Besonders gut kann man das bei (zu vielen, aber zum Glück nicht allen) Soziologen erleben. Es ist faszinierend, wie aus Banalitäten komplizierte Sätze gemacht werden. Eines Tages wurde die Soziologische Gemeinschaft gründlich durch einen Physiker reingelegt, der einen Artikel geschrieben hatte, der komplett aus Unfug bestand, und im wesentlichen erklärte, dass die Welt nicht existiere. Gelernt wurde daraus leider nichts.

Leider findet man diesen Trend zu blabla inzwischen auch in der Informatik (Beispiel von einem Kritiker). Eine renommierte open source Gemeinschaft macht sich darüber lustig, indem sie angibt, deren Software sei "buzzword compliant" und "works well with nouveau technologies".

3.10.10

Gerald Hüther im ZDF

Von ADHS-Leugnern, Psychiatrie-Hassern und Vitamin-Verkäufern wird gerne der Göttinger Prof. Gerald Hüther zitiert. Gestern war im ZDF eine Sendung ("Ketten im Kopf") über eine kleine Gruppe von ADHD-Kindern die für 8 Wochen auf eine "Alm" (= ein abgeholzter Berg) geschickt werden um ohne Medikamente auszukommen. "Projektleiter" Hüther kam auch für gefühlte 2 TV-Minuten auf die "Alm" und sprach mit den Eltern:
Das sind richtig starke Kinder. Es sind eigentlich die Kinder, die wir uns für die Zukunft dieser Gesellschaft wünschen könnten. Es sind Kinder, die sich nicht funktionalisieren lassen. Also man nennt das schwererziehbar. Aber es sind im Grunde genommen Kinder die man nicht verbiegen kann. Was man machen kann oben in der Alm man kann sie ermutigen und man kann sie inspirieren eine neue Erfahrung zu machen.
Eine der Mütter störte sich daran, dass die Schwierigkeiten der Kinder nicht berücksichtigt werden, z.B. dass sie häufiger Verkehrsunfälle haben durch ihre Unaufmerksamkeit. Eine andere Mutter bemerkte dass ihr Sohn vom Unterricht ausgeschlossen wird. Eine weitere Mutter meinte ja, man könne sagen zwar sagen "Das Schulsystem ist schuld", aber man muss halt darin zurechtkommen wenn man was werden will.

Hüther meinte, er wolle die Kinder so stark machen, dass sie das System aushalten, Selbstvertrauen bekommen, sich bedeutend fühlen.

Nach 8 Wochen behauptet der TV-Sprecher, dass die Kinder ruhiger geworden sind, und dann folgt das obligatorische Lagerfeuer und alle sind glücklich.

Einer der Betreuer schwärmte dann den Eltern vor, wie toll doch alles gewesen sei, man have viel geheult, umarmt und gekuschelt.

2 Monate später sah alles schon anders aus. "Nicola" ist langsam und kommt nicht mit und behindert den ganzen Unterricht. "Robin" ist ebenfalls unaufmerksam, die Mutter (Kinderärztin) ist enttäuscht, denn es gibt keine Verbesserung. Der wesentliche Unterschied ist dass die beide Kinder nun das Selbstbewusstsein haben, Medikamente abzulehnen.

"Malte" wechselt die Schule (es ist die 4te) und darf reiten und behauptet er sei nicht aggressiv. (Er wird es doch)

"Adrian" besucht eine Schule ohne Hausaufgaben. Die Mutter meint er sei viel netter und kuschelt viel und sei selbstbestimmter.

"Drei andere Jungs" seien kurz davor die Tabletten wieder zu nehmen, einer nehme sie bereits, weil die Lehrer sonst mit ihm nicht zurecht kommen.

Der Beitrag hat, auch wenn unbeabsichtigt, deutlich gezeigt dass diese Kinder grosse Probleme haben, darunter leiden, und nicht mit der Gesellschaft zurecht kommen. Die Methoden von Hüther verstärken das sogar noch. Natürlich ist auf einer "Alm" mit vielen Betreuern pro Kind und ohne Schule alles supi, aber kaum ist der Urlaub zuende, stört die Realität.

Bei den Kindern handelte sich sich auch nicht um die "Kevin", "Dennis", "Jeremy" oder "Justin" (Zum Thema Kindernamen und was sie über die Eltern aussagen, siehe auch Kapitel 6 in "Freakonomics") aus der Supernanny-Sendung, wo schnell offensichtlich ist, dass die Eltern das Problem sind.

Irgendwie erinnert mich Prof. Hüther an manche Tierversuchsgegner - wenn man mit denen genauer redet, zeigt sich dass es nicht um Tierversuche geht sondern um Ablehnung von Medizin, Kosmetika und Wissenschaft überhaupt.

Nachtrag 17.5.2011: Gestern war diese "Alm" (nun in der "Sinn-Stiftung" organisiert) auf RTL "Extra" zu sehen. Die Ergebnisse sind ähnlich, ausserdem kostet das Programm laut Sender 4500 Euro pro Monat.

Nachtrag 25.3.3013: Sexueller Missbrauch auf der "Alm"? (Spiegel)

Nachtrag 3.9.2013: Die Zeit nimmt Hüther gekonnt auseinander. Nebenbei wird erwähnt, dass das Alpenprojekt still beendet sei.

2.10.10

Pseudowissenschaft (12): Sabotage

Heather Ames, Studentin an der University of Michigan, wunderte sich warum ihre Experimente (Zellkulturen) ständig scheiterten. Nach diversen zusätzlichen Tests, Selbstzweifeln, wachsender Paranoia, und schliesslich der Installation von Überwachungskameras im Labor stellte sich heraus dass ein Kollege, der "Postdoc" Vipul Bhrigu, die Kulturen mit Alkohol ruiniert hatte. Bhrigu wurde zu 6 Monaten Bewährung verurteilt, und setzte sich schnell nach Indien ab bevor eine Verhandlung wegen Schadensersatz stattfinden konnte. (Nature)

25.5.10

Pseudowissenschaft (11): Was nicht passt, wird passend gemacht

"Klimawandel" Aktivisten Wissenschaftler hatten ein Problem: Bisherige Messungen von Temperaturen im Ozean bewiesen keinen Klimawandel. Also wurden die bisherigen Rohdaten "neu bewertet" und prompt erhielt man die gewünschten Ergebnisse: "Die Ozeane werden wärmer". (Telepolis)

19.1.10

Pseudowissenschaft (10): Gletscherspekulationen

Der "Wissenschaftler" Apu Nahasapeemapetilon Syed Iqbal Hasnain aus Lampukistan Indien hatte mal eben behauptet, dass die Gletscher des Himalaya bis 2035 geschmolzen sein würden. Der UN-Weltklimarat IPCC, nachdem er sich schnell noch mit einem schmelzenden Eiswürfel in einer Hotelbar in China als Beweis für den Klimawandel befasst hatte, nahm die Gletscher-Erkenntnis begeistert in den Jahresbericht 2007 auf. Als der Unsinn aufflog, verteidigte sich Hasnain damit, dass er doch seine Aussage nicht in einem Wissenschaftlichen Magazin gemacht habe, schuld seien die anderen weil sie ihn zitiert hatten. (Telepolis, FTD)

Noch was:

1) In den 70ern haben "Wissenschaftler" verkündet, dass sich das Klima abkühlen würde. (New York Times, zitiert in dem Buch Super Freakonomics)

2) Glauben an den Klimawandel ist geschützt (Guardian)

Nachtrag 2.2.2010: Neue Vorwürfe. (Telepolis) Es bleibt zu hoffen, dass nun die Panikmache eine Zeitlang nicht mehr kritiklos geschluckt wird.

Nachtrag 8.2.2010: Und noch mehr Panikmache aus dubiosen Quellen. (Telepolis)

Nachtrag 15.2.2010: Liefern die Messstationen überhaupt zuverlässige Daten? (Telepolis)

3.10.08

Pseudowissenschaft (8): der Professor aus dem Briefkasten

Henner Ertel (laut 31 Google Treffern ein Professor) und das Institut für Rationelle Psychologie sind in der letzten Zeit in die Kritik geraten, wegen z.T. fragwürdiger "Studien", die hauptsächlich für BILD & co interessant sind. Die "Universität", an der er "Professor" ist, residiert bei Mailboxes, etc in 95 Wilton Road in London:


Der domain ist registriert auf Teja Sebastian Ertel. (SPIEGEL, taz, ZAPP)

Nachtrag 22.2.2010: Ertel hat einen Termin beim Amtsgericht München. (Meedia)

2.9.08

Pseudowissenschaft (7): Kernfusionsblase geplatzt

Der Kernphysiker Rusi Taleyarkhan von der Purdey Purdue University hatte behauptet, mit Schallwellen Kernfusionsreaktionenin Gasblasen zu zünden. Dies konnte sogar in unabhängigen Versuchen bestätigt werden, und zwar... in der Purdue University. Nach nur drei Jahren stellte die Purdue University überraschend fest, dass diese unabhängigen Versuche durch Mitarbeiter von "Taleyarkhan seinem Institut" durchgeführt waren. Jetzt wurde Blasen-Rusi vom Professor zum einfachen "Dozenten" degradiert. (heise.de)

5.7.08

Pseudowissenschaft (6): Göttinger Fremdkörpertheorien

Der Göttinger Sportprofessor Arnd Krüger verbreitete laut SPIEGEL folgende These: Die israelischen Sportler hätten 1972 von dem Anschlag im olympischen Dorf gewusst und seien freiwillig in den Tod gegangen um Israel zu nützen. Grund dafür sei u.a. ein "anderes Körperverständnis" in Israel. Nach Protesten hat er sich von seiner "These" distanziert.

27.5.08

Pseudowissenschaft (4): Recherche innovativ delegieren

In den "alten Zeiten" lief Recherche so: man ging in die Bibliothek und blätterte stundenlang in Büchern und Fachzeitschriften zum Thema. Heutzutage kann dies online erledigt werden, was allerdings manche Leute dazu verführt, Fremdes zu kopieren und es als Eigenes darzustellen. Noch ein Schritt weiter ist ein Jura-Student aus Göttingen: für seine Seminararbeit schickte er eine "Umfrage" an alle fachlich ausgewiesenen Datenschutzprofessoren der Bundesrepublik. Einer davon veröffentlichte den Vorgang im Beck Blog.

24.5.08

Pseudowissenschaft (3): strahlende Erfindung

Der SPIEGEL meldet dass zwei "aufsehenerregende Studien" über Erbgutschäden durch Mobilfunk erschwindelt wurden, und zwar durch eine Labortechnikerin von der Medizinischen Universität Wien. (Pressemitteilung der Uni Wien)

Sinnvoll wäre nun eine neue Studie ob Mobilfunk eine Ursache von Merkbefreiung bei Professoren ist, die über die "Gefahren" von Mobilfunk forschen.

22.5.08

"Welt" und Vattenfall lassen CO2 verschwinden

Aus der "Welt" von heute:
Vattenfall baut das erste CO2-freie Kraftwerk
Schon im Untertitel wird relativiert:
Durch den Einsatz neuer Technologien soll es "annähernd CO2-frei" Strom aus Kohle erzeugen.
Doch beides ist falsch. Durch Verbrennung von Kohle entsteht nun mal CO2, und nicht etwa "nichts", oder gar Phlogiston. Das lernt man in der Schule. Tatsächlich planen die Vattenfall-Täter, das CO2 "unter den Teppich" zu kehren, nämlich in flüssiger Form unter der Erde zu lagern. Unsere Nachfahren werden sicher hocherfreut sein, wenn das CO2 irgendwann (voraussichtlich Sekunden nach Ende der Subventionen) auf einmal entweicht.

19.4.08

Was geschieht bei einem Schlaganfall?

Hirnforscherin Dr. Jill Bolte Taylor erklärt es sehr anschaulich. Denn sie hatte selbst einen Schlaganfall: