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25.3.13

Schlecht anonymisiert: der ADHS-Jugendversteher

Ein Pädagoge, der u.a. auf der von mir nicht ernst genommenen ADHS-Alm der Sinn-Stiftung gearbeitet hat, soll Kinder missbraucht haben. Der SPIEGEL anonymisiert ihn recht gut als "Tibor B.". Der Schweizer Tagesanzeiger legt jedoch einen drauf, und erwähnt eine Reportage "Alp der Hoffnung". Eine Suche nach diesem Begriff findet den Namen.

Besonders amüsant ist dass der Namen aus einigen mit google gefunden webseiten bereits entfernt wurde.

8.11.12

Schlecht anonymisiert: der K.O.-Tropfen-SPD-Jugendversteher

Ein Bremer SPD-Fürst soll jemand mit GHB betäubt haben und wurde verhaftet (ntv, taz) Sein Nachname wird abgekürzt, statt dessen werden aber gleich drei konkrete Details über sein Leben genannt:
  1. Er sei Vorsitzender der SPD im Bremer Unterbezirk Finndorff (Name dort zu finden)
  2. Er sei Vize-Chef der SPD Bremen-Stadt (dort wurde er teilweise gelöscht)
  3. Er betreibe Jugendreisen mit der Firma Ferienwerk Bremen - im Impressum findet sich der Name

13.10.12

Schlecht anonymisiert: der ex-FOCUS-Journalist

Die FTD berichtet über eine Verurteilung (nicht rechtskräftig) im Zusammenhang mit "scalping" (gemeint ist wohl eher "pump and dump") bei Aktien der Firma De Beira (wurde umbenannt in Panex Resources). Einer der Verurteilten, der Journalist Sascha Opel, wird immerhin namentlich erwähnt. Als "Drahtzieher" wird ein "Aly M." erwähnt. Über Google findet man seinen vollen Namen z.B. in der Wirtschaftswoche. Noch absurder ist aber ein nicht näher bezeichneter "Ex-Focus-Redakteur". Eine google Suche nach De Beira FOCUS findet sehr schnell einen SPIEGEL-Artikel mit seinem Namen, und eine Einschränkung auf site:focus.de findet sogar die beiden darin erwähnten FOCUS Artikel (1 und 2) in denen er die Aktie beworben hatte.

(Wobei mir ohnehin ein Rätsel ist wieso es Leute gibt, die FOCUS-Artikel als Grundlage für Entscheidungen nehmen)

21.12.11

Presserat missbilligt WELT Artikel

Aufgrund meiner Beschwerde hat der Presserat diesen Artikel (ja ich linke drauf, der Schaden ist eh angerichtet) der WELT missbilligt, weil dort zwei angeklagte Deutsche mit vollem Namen genannt wurden. Ich hatte mich beschwert weil ich es merkwürdig fand, dass in Deutschland lebende Angeklagte anonymisiert werden, im Ausland lebende Deutsche jedoch nicht.

Ich hatte dieses Jahr insgesamt drei Beschwerden abgeschickt, zwei davon laufen also noch: eine gegen Bild (Namensnennung eines mutmasslich psychisch kranken Jugendlichen, BILDBlog berichtete auch) und eine gegen die Oberhessische Presse (Berichterstattung des Selbstmordes von drei Mädchen mit dermassen viel Details dass es als Anleitung gelten könne).

Update 11.1.2012: BILDblog berichtet nun auch. Mit genialem Titel :-)

1.11.11

Schlecht anonymisiert (8): der Trabrennbahnjokey

Ein Mann soll seine Ehefrau erschossen haben. Er war ein sehr erfolgreicher Trabrennprofi (Ein Sport, der etwa so aufregend ist wie Synchronschwimmen oder Angeln). Der Tagesspiegel berichtet zurückhaltend, die B.Z. weniger (sie unterstellt dem Mordopfer diverse Dinge), sie kürzt zwar seinen Namen ("Bernd W.") ab, liefert aber ansonsten genug Details:
Im Stefan-Kuntz-Rennen belegte er mit dem Wallach „...“ (5) den ... Platz. 
Das besagte Rennen findet sich z.B. hier. Eine Suche nach dem Namen zeigt dass BILD.de diesen sogar im HTML source code hat.

18.9.11

Schlecht anonymisiert (7): Der Dogmatik-Versteher

Ähnlich wie in diesem Fall wird einem Rechtsanwalt vorgeworfen, in seiner Doktorarbeit plagiert zu haben, und in der ersten Instanz wird dies bestätigt. (nicht rechtskräftig) Die Giessener Allgemeine nennt den Namen nicht, wohl aber den Titel der Doktorarbeit: Untersuchungen zur Dogmatik und den Erscheinungsformen modernen Strafrechts. Eine Suche nach dem Titel findet den Ex-Doktor leicht.

18.5.11

Schlecht anonymisiert (6): Die Ästhetin

Einer Professorin wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit plagiert zu haben, und in der ersten Instanz wird dies bestätigt. (nicht rechtskräftig) Die Zeit nennt sie nicht, wohl aber den Titel der Arbeit: "Ästhetische Konstellationen" und ihren Arbeitsplatz: Fachhochschule Frankfurt. Die Frankfurter Neue Presse nennt nicht nur den Titel, sondern auch den Vornamen: Anette S.. Eine Google Suche nach dem Titel der Doktorarbeit reicht aus, um den Namen zu finden.

Nachtrag 20.5.2011: Sie hat gekündigt. (Journal Frankfurt, nennt ebenfalls den Titel)

19.2.11

Schlecht anonymisiert (5): Der schöffende Blogger

FOCUS fragt, ob eine Schöffe aus dem Prozess gegen den Vater vom Winnender Amokschützen befangen sei:
Dem Nachrichtenmagazin FOCUS zufolge präsentiert sich der als „Politblogger“ bekannte Laienrichter Dietmar N. im Internet seit langem als bekennender Waffengegner. So sprach er sich bereits vor Prozessbeginn für ein striktes Verbot von Schusswaffen in Privathaushalten sowie ein schärferes Waffenrecht aus. Verstöße müssten „empfindlich“ bestraft werden.
Die Anonymisierung ist Unsinn. Eine Suche nach Politblogger Dietmar findet den blog leicht (mit einem lustigen Bild über eine WORD Version für unseren Plagiatsminister), aber auch diesen entlarvenden Eintrag. Da wird sich der Anwalt für die Revision nicht anstrengen müssen.

Nachtrag: Stellungnahme vom schöffenden Blogger. Dass er sich nicht als befangen betrachtet, ist irrelevant. Es kommt auf die "Besorgnis der Befangenheit" an, d.h. auf den "bösen Schein". Genau das ist aus meiner Sicht der Fall.

7.6.10

Schlecht anonymisiert (4): Die Kachelfrau

Wetterberichte im TV interessieren mich wenig, weil ich keinen Tratsch über das "Azorenhoch" oder über "Blumenkohlwolken" brauche. Es reicht auch aus dem Fenster zu schauen; zur Not erfahre ich eine zu ca. 50% korrekte Vorhersage auf wetter.de. Deshalb hatte ich bisher nicht einmal den Versuch gemacht, den vollen Namen von der Kachelmann-Beschuldigerin herauszufinden, ausserdem ist es ja wirklich sinnvoll, dass sie anonym bleibt. Die SPIEGEL TV Sendung vom Sonntag sowie die Vorabmeldung hat mich dann aber doch zu Recherchen ermutigt. Und siehe da - der volle Name ist seit Monaten ein offenes Geheimnis.

Wer den Namen nicht kennt, hat nur nicht 5 Minuten gesucht.

Die Medien haben diesmal immerhin nicht einfach lediglich den Nachnamen abgekürzt, sondern den Namen komplett geändert, sie heisst "Sabine W. (Name geändert)". Obwohl die juristische Literatur eindringlich warnt, dass Erkennbarkeit auch durch andere Merkmale als den Namen gegeben sei, berichteten alle möglichen Medien dass es sich um eine Radiomoderatorin aus Schwetzingen handele. Ganz besonders schlecht versucht ein "Jürgen Gruler" vom Mannheimer Morgen, die Situation zu "retten", und erklärt, dass die Dame "nicht Viola" heisse. Eine Auswertung der Google Suchergebnisse findet jedenfalls sehr schnell den Realnamen.

Nachtrag: Die Rechtsanwäldin lästert etwa in die gleiche Richtung.

Nachtrag 2: Ein Leserbriefschreiber in der Welt nennt den vollen Namen, und dieser wird gedruckt!

19.4.10

Schlecht anonymisiert (3): Die Sumpfversteher

Die Frankfurter Rundschau hat einen interessanten Artikel über die Nachwehen vom "Sachsensumpf", eine Verschwörungsgeschichte die auf üblen Tratsch aufgebaut war; durch den "stille Post" Effekt wurden die Behauptungen von Woche zu Woche bunter. Ich selbst erinnere mich an ein TV-Interview, in dem der "Zeuge" nicht einmal ansatzweise glaubwürdig erschien. Zum FR-Artikel:
Richter a. D. (...) hat heute noch schlaflose Nächte, wenn er an den 21. Januar 2008 zurückdenkt, als der Spiegel mit der Geschichte "Dreckige Wäsche" erschien. (...)

Angeklagt wegen Verleumdung sind zwei Leipziger Journalisten, Thomas D. und Arndt G., deren Namen unter dem Beitrag standen. Der Dresdner Büroleiter des Spiegel, auch in der Autorenzeile vermerkt, steht nicht vor Gericht: Das Magazin druckte eine Richtigstellung und akzeptierte eine Geldauflage von mehreren Tausend Euro.

Die Angeklagten (...) haben in einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung bestritten, dass die beanstandeten Passagen von ihnen stammten.
Schon eine einfache Suche nach dem Artikeltitel findet den Artikel mit den Namen der Angeklagten Autoren. Und BILDBlog linkt gar auf den ursprünglichen SPIEGEL-Artikel. (Eine "Richtigstellung" ist darin nicht zu finden, die war wohl nur im Heft)

Nachtrag: Die mit der FR verbandelte Berliner Zeitung berichtet gleich ohne Anonymisierung, lässt aber das entscheidende Detail weg - nämlich dass die beiden behaupten, sie hätten die Passagen gar nicht geschrieben.

11.4.10

Schlecht anonymisiert (2): der Mehl-Mann

In SPIEGEL-TV war ein interessanter Bericht über zwei inzwischen verurteilte Stalker (ein Auftraggeber und sein Handlanger), ein ähnlicher Bericht findet sich im Hamburger Abendblatt (falls Text nur für Abonnenten, hier klicken).

Die Hinweise: er heisse Rolf B., und sei Vorstand beim grössten Mehlhersteller gewesen.

Das klingt nach schlechter Anonymisierung, und lädt ein zur Recherche (so wie z.B. in diesem Fall).

Wer ist der grösste Mehlhersteller? Antwort hier. Den ehemaligen Vorstand findet man nun auch sehr leicht.

Nachtrag: Am 3.9.2010 berichtete das Handelsblatt ohne Anonymisierung: Der Stalker im Chefsessel

15.1.09

Schlecht anonymisiert: Hans-Uwe und Sabine

Aus der Nordwest-Zeitung:
Nach 16 Monaten ist Hans-Uwe P. erstmals wieder in einem Gerichtssaal. Diesmal jedoch nicht als Richter, sondern als Angeklagter. Der 56 Jahre alte Richter am Oldenburger Oberlandesgericht (OLG) soll gemeinsam mit dem Unternehmensberater Holger K. (39) versucht haben, einen Emder Unternehmer zu erpressen.

Mitangeklagt ist auch die Ehefrau des in Aurich lebenden OLG-Richters, Staatsanwältin Sabine P. (51), die damals ein Ermittlungsverfahren gegen das mutmaßliche Erpressungsopfer führte. Gegen eine Zahlung von 5000 Euro, versprachen Richter und Unternehmensberater dem Emder Danny G., werde man dafür sorgen, dass das Verfahren, in dem es um die Fälschung technischer Befähigungsnachweise ging, eingestellt werde.
Dank Google findet man Namen. Gut, dass ich nicht in der Gegend wohne.

Nachtrag: Hans-Uwe hat sich selbst entlassen. Ob er künftig als Rechtsanwalt arbeiten wird?

Nachtrag 6.3.2009: Hans-Uwe wurde wegen versuchter Erpressung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Er meint, sein Verhalten sei zwar dumm, aber nicht strafbar. (Nord-West-Zeitung, ddp, C.H. Beck, taz, Nord-West-Zeitung)

Nachtrag 26.5.2009: Hans-Uwe hat die Revision zurückgezogen, um "unbelastet einen beruflichen Neuanfang vorzunehmen". (Nord-West-Zeitung) Hoffentlich nicht als Rechtsanwalt.

Nachtrag 10.11.2012: Ja, er ist Rechtsanwalt, zugelassen seit 21.12.2011. Und Autor bei der Legal Tribune.