19.4.10

Schlecht anonymisiert (3): Die Sumpfversteher

Die Frankfurter Rundschau hat einen interessanten Artikel über die Nachwehen vom "Sachsensumpf", eine Verschwörungsgeschichte die auf üblen Tratsch aufgebaut war; durch den "stille Post" Effekt wurden die Behauptungen von Woche zu Woche bunter. Ich selbst erinnere mich an ein TV-Interview, in dem der "Zeuge" nicht einmal ansatzweise glaubwürdig erschien. Zum FR-Artikel:
Richter a. D. (...) hat heute noch schlaflose Nächte, wenn er an den 21. Januar 2008 zurückdenkt, als der Spiegel mit der Geschichte "Dreckige Wäsche" erschien. (...)

Angeklagt wegen Verleumdung sind zwei Leipziger Journalisten, Thomas D. und Arndt G., deren Namen unter dem Beitrag standen. Der Dresdner Büroleiter des Spiegel, auch in der Autorenzeile vermerkt, steht nicht vor Gericht: Das Magazin druckte eine Richtigstellung und akzeptierte eine Geldauflage von mehreren Tausend Euro.

Die Angeklagten (...) haben in einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung bestritten, dass die beanstandeten Passagen von ihnen stammten.
Schon eine einfache Suche nach dem Artikeltitel findet den Artikel mit den Namen der Angeklagten Autoren. Und BILDBlog linkt gar auf den ursprünglichen SPIEGEL-Artikel. (Eine "Richtigstellung" ist darin nicht zu finden, die war wohl nur im Heft)

Nachtrag: Die mit der FR verbandelte Berliner Zeitung berichtet gleich ohne Anonymisierung, lässt aber das entscheidende Detail weg - nämlich dass die beiden behaupten, sie hätten die Passagen gar nicht geschrieben.

Kommentare:

  1. Wenn ich daran denke, mit welcher Verve die Frankfurter Rundschau - inhaltlich richtig - gegen den hessischen Wolskismus vorging, halte ich die FR (und die Berliner Zeitung) für glaubwürdiger als regierungsnahe Gazetten wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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  2. Ja, das ist richtig. Die FR war bei der Dokumentation der Wolski Affäre die absolut führende Kraft. Gleiches gilt für die Steuer-Mobbing-Affäre.

    Ich habe sehr viele Google Alerts zu alle möglichen Themen. Die FAZ ist fast nie ein "Treffer". Ich weiss nicht, wozu diese Zeitung gut ist.

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