25.3.13

Schlecht anonymisiert: der ADHS-Jugendversteher

Ein Pädagoge, der u.a. auf der von mir nicht ernst genommenen ADHS-Alm der Sinn-Stiftung gearbeitet hat, soll Kinder missbraucht haben. Der SPIEGEL anonymisiert ihn recht gut als "Tibor B.". Der Schweizer Tagesanzeiger legt jedoch einen drauf, und erwähnt eine Reportage "Alp der Hoffnung". Eine Suche nach diesem Begriff findet den Namen.

Besonders amüsant ist dass der Namen aus einigen mit google gefunden webseiten bereits entfernt wurde.

Kommentare:

  1. Mittlerweile hat die SINN-Stiftung eine eigene Stellungnahme zu den Vorkommnissen abgegeben:

    http://sinn-stiftung.eu/downloads/stellungnahme-der-sinn-stiftung-28.3.13.pdf

    ADHS Deutschland kommentiert auf Facebook:

    >>Bereits Anfang letzten Jahres wurde erstmals der Verdacht sexuell übergriffigen Verhaltens eines Betreuers des Hüther'schen Alm-Projektes bekannt. Nun hat sich, da die Schweizer Massenmedien den Fall schließlich aufgegriffen haben, eine Welle der Nachfragen und Nachforschungen ergeben, die an den Tag zu bringen scheinen, dass auch Kinder des Alm-Projektes betroffen sind. Prof. Hüther äußerte sich in den Medien (u.a. beim NDR) bislang so, als habe er den Verdächtigen, mit dem er in Göttingen immerhin einen auf Video aufgezeichneten und vermarkteten Vortragsabend veranstaltete, kaum gekannt. Die Sinn-Stiftung sprach zunächst von Verdachtsmomenten und verwies auf die Anzeigeunwilligkeit der Eltern, so dass man nichts habe unternehmen können...<<

    http://www.facebook.com/pages/ADHS-Deutschland/125963424135757

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  2. Fairerweise - und ich bin jetzt mal advocatus diaboli - muss ich sagen, dass die Stiftung vermutlich deshalb nicht sofort irgendwelche Fragebögen der Art "Was hat Tibor B bei Ihrem Kind gemacht?" verschickt hat, um zu verhindern dass es zu einer Kettenreaktion wie bei den McMartin oder Worms-Fällen kommt.
    http://en.wikipedia.org/wiki/McMartin_preschool_trial
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wormser_Prozesse

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  3. Es ist wirklich fair, auf diesen Aspekt hinzuweisen. Ob es aber vielleicht diskretere Möglichkeiten gegeben hätte, von Eltern Hinweise zu erhalten, ob ihre Kinder ebenfalls betroffen sein könnten?
    Immerhin wimmelt es doch im Rahmen der Sinn-Stiftung von hochkarätigen Experten...

    In deren Stellungnahme (siehe pdf in meinem ersten Kommentar) wird als vorrangiger Grund für das lange passive Zuwarten die Angst vor einer Verleumdungsklage erwähnt.

    Wissen Sie eigentlich Näheres über Hüthers Tätigkeit an der Universität Göttingen?
    Sein "Institut für neurobiologische Präventionsforschung" konnte ich leider nicht finden.

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  4. Nein, ich weiss nur was in der Presse steht.

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  5. Zwar nicht die seriöseste Quelle, aber immerhin eine Sammlung von nützlichen Links:

    http://blog.psiram.com/2012/09/gerald-huther-eine-ubersicht-fur-journalisten/

    Der öffentliche Vortrag zum Alm-Projekt mit Tibor B. (der auf DVD "Besser einen Sommer auf der Alm als ein Leben lang auf Ritalin") in Umlauf kam; in der 2.Auflage der DVD dann ohne den Tibor B.)war wohl eine Veranstaltung unter dem Dach des IZNE - was auch immer das nun wieder ist.
    http://www.izne.uni-goettingen.de/wp-content/uploads/2010/12/IZNE-Reihe-Das-Geheimnis-des-Gelingens2.pdf
    http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Wissen/Wissen-vor-Ort/Kinder-brauchen-Aufgaben-auch-als-Therapie
    Ansonsten: Mystery ;-)

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  6. Im verlinkten Blog postet #38 unter dem Pseudonym "synapse" ein Göttinger Neurowissenschaftler:

    11. November 2012, 16:25 | #38
    Ich bin erst vor kurzem mit der Medienpräsenz von Herrn Hüther konfrontiert worden und war überrascht, ihn als “bekannten Göttinger Hirnforscher” zitiert zu sehen. Ich bin seit 15 Jahren in Göttingen als Neurowissenschaftler aktiv und habe Herrn Hüther noch nie gesehen, obwohl ich meine, einen guten Überblick über alle forschungsaktiven Gruppen in Göttingen zu haben. Eine Recherche in Datenbanken (PubMed, Web of Science) ergab dann, dass Herr Hüther in den 90er Jahren eine Reihe von soliden (wenn auch nicht herausragenden) Arbeiten zum Stoffwechsel der Neuromodulatoren Melatonin und Dopamin veröffentlicht hat, von denen einige auch heute noch gelegentlich in der Fachliteratur erwähnt werden. Seit c. a. 10 Jahren ist aber keine wissenschaftliche Arbeit mehr erschienen, die Herrn Hüther als federführenden Autor aufweist, und seit 2008 hat er nichts wissenschaftliches mehr publiziert. Auch über eine Förderung seiner Forschungen durch begutachtete Drittmittel habe ich nichts finden können. Offensichtlich hat er sich seither auf das Schreiben von Ratgebern und Halten von Vorträgen konzentriert und seine wissenschaftliche Tätigkeit eingestellt. “Bekannt” als Hirnforscher ist er nur aufgrund seiner nichtwissenschaftlichen Texte, Vorträge, und Medienpräsenz, nicht aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen, die auch zu seinen aktiven Zeiten eher im unteren Mittelfeld anzusiedeln sind.
    http://blog.psiram.com/2012/09/gerald-huther-eine-ubersicht-fur-journalisten/#comment-21931

    Der Kommentator scheint der MPI-Neurobiologe Reinhard Jahn zu sein:
    http://www.mpibpc.mpg.de/de/jahn

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