Den von Bertelsmann
angedrohten "Qualitätsjournalismus" dürfen wir diese Woche gleich in drei Medien erleben.
Hintergrund: Weil Websperren gegen Tauschbörsen alleine nicht durchsetzbar sind, war seitens der Content-Industrie bereits 2007 die Idee geboren,
Kinderpornographie vorzuschieben.
Nachdem der erste Versuch mit Ursula von der Leyen schief ging, ist nun die schöne
Verteidigungsfreifrau dabei. Und diese Woche hat sie so richtig nachgelegt: in den Bertelsmann-Organen
Stern,
Stern-TV wurde es angekündigt, und in dem Bertelsmann-Unter-Unterschichtensender RTL2 (Arbeitsweise:
Siehe Beitrag 4 auf diesem Link) wird sie zeigen, wie Pädophile zu Straftaten animiert werden (
DWDL). Immer nach dem Motto: "Denken Sie doch an die armen Kinder!"
Was tatsächlich "für die Kinder" in Deutschland getan wird:
- Ursula von der Leyen, derzeit Arbeitsministerin, arbeitet daran, dass Hartz4-Kinder immer ärmer und immer ungebildeter werden, und an ihrer Chipkarte schnell erkannt werden. Und wer hatte Hartz4 mit konzipiert? Die Bertelsmann-Stiftung. Passt.
- Der Mann der Verteidigungsfreifrau sorgt dafür, dass die Zahl der Witwen und Waisen leicht ansteigt.
(Mehr nachdem ich die Sendung gesehen habe. Ein echtes Dilemma: womöglich steigen deren Einschaltquoten nur durch die Leute, die sich über das Thema ärgern und zumindest informiert sein wollen, worüber sie danach lästern)
Nachtrag 1:
Das
Stern-TV Video zeigt ein chat-Opfer eines üblen Typen. Das Opfer heisst natürlich "Mandy" (im Unterschichten-TV heissen Kinder meistens "Mandy" oder "Kevin"), sie hat Rot-Blond-Braun-Lila-Haare und behauptet im Video 12 zu sein. Die Geschichte ist zwar schlimm, allerdings zeigt sie auch, dass sowohl "Mandy" als auch ihre Mutter Schlimmeres verhindert haben, und der Mann wurde identifiziert. Ohne Websperren. Ohne Vorratsdatenspeicherung. Der Fall wird nach §154StGB eingestellt, was das RTL2-Team nicht versteht. (Der Paragraph bedeutet dass der Beschuldigte noch eine viel höhere Strafe in einer anderen Sache zu erwarten hat)
Nachtrag 2: Nun habe ich die Sendung gesehen.
Das RTL2-Stammpublikum wird ordentlich bedient. Reisserische Ansagen, schnelle Schnitte, bedrohliche Musik, ein etwas unsichererer Udo Nagel der irgendwas vom Teleprompter abliest, oder grundlos durchs Bild läuft, eine schlecht blondierte Guttenbergerin taucht gelegentlich auf mit diffusen Forderungen an die Politik, auch Julia von Weiler von berüchtigten Verein "Innocence in Danger" hat was zu sagen. (dass nur Adlige als Kinderschützer glaubwürdig sind?) Interessant ist dagegen die durchaus sympathische "Journalistin" Beate Krafft-Schöning (wenn schon nicht adlig, dann eben wenigstens einen Doppelnamen!), die dann die jeweiligen vermeintlichen oder tatsächlichen Pädophilen konfrontiert, nachdem er in der RTL2-Falle sitzt. Und die ertappten sind wohl alle so dumm, dass sie tatsächlich meinen, Kinder hätten Interesse an Sex-Treffen mit Erwachsenen, und sich auch nicht wundern, dass das getroffene Mädchen gar nicht wie 14 aussieht.
Irgendwann wird dann Pädophiler #1 in die Falle gelockt und interviewt, aber im TV unkenntlich gemacht. Der "Filter" flimmert so stark dass man Kopfschmerzen bekommt. Der Pädophile gibt erwartungsgemäss eine jämmerliche Figur ab, und stellt sich als einschlägig vorbestraft heraus.
Pädophiler #2 ist Lehrer (!) und vermeidet irgendwas Konkretes zu sagen, will "nur Fotos" machen. RTL2 deutet alles mögliche an, aber Strafbares findet sich nicht. Dann taucht noch ein zusätzliches Pärchen auf, wodurch die Situation völlig verworren wird. Diverse Experten spekulieren aus dem Nichts darüber, was die vor hätten ("Kinderpornodreh im Hotel"). Nagel verkündet, dass Strafanzeige erstattet wurde, aber dass es nicht einmal einen Anfangsverdacht gegeben habe.
Pädophiler #3, Steuerberater, hatte angeblich sexuelle chat-Gespräche mit einer vermeintlich 13-Jährigen gemacht und traf sich mit ihr auf dem Marienplatz, meinte er wollte aber nur "Freundschaft". Er pocht auf seine Persönlichkeitsrechte. Und wieder nichts greifbares für RTL2.
Die Guttenbergerin taucht auf, verliert irgendwie komplett den Faden, und erzählt dass Babies vor der Kamera vergewaltigt würden.
Fall #4 ist die vierfarbige "Mandy" aus dem
Stern-TV Video.
Fazit:
Es ging - zumindest diesmal - nicht um Websperren, sondern um chats. Wobei 3/4 konstruiert war.
Noch interessanter dürfte sein, was weggeschnitten wurde. Keiner von den in-die-Falle gelockten Typen hat nämlich behauptet, sowas schon mal erfolgreich gemacht zu haben. Was darauf hindeutet, dass solche Treffen zwischen Kindern und Erwachsenen entweder nicht zustande kommen, oder Fakes durch diverse TV-Sender sind. Bei RTL2 würde ich nicht einmal ausschliessen, dass die Stories komplett
frei erfunden sind.
Nachtrag 3:
Telepolis ärgert sich noch viel mehr.
Nachtrag 4:
Gernot Kramper von stern.de lobt die Sendung ("erstaunlich sensibel mit dem Thema und den Opfern
"), entweder weil er sie tatsächlich gut fand, oder weil er weiss aus welchem Konzern sein Gehalt bezahlt wird.
Nachtrag 5:
Johannes Boie von der Süddeutschen Zeitung schreibt von medialen Mißbrauch. Und verrät den neuen Spitznamen der Guttenbergerin.
Nachtrag 11.10.2010: In der zweiten Folge tauchte die Guttenbergerin nicht auf. Diesmal wurden die Internet-Sperren gefordert, und auch das BKA durfte einen Auftritt haben. Es wird suggeriert, dass Gegner von Internet-Sperren den Pädophilen in die Arme arbeiten. Der Grund warum Leute, darunter sogar Missbrauchsopfer, gegen Internet-Sperren sind, wird verschwiegen. Ich schaue mir jetzt aber was anderes an.
Nachtrag 7: Laut
politik.de sei RTL2 schon mal zu 20000 Euro Schmerzensgeld verurteilt wegen einer vergleichbaren Geschichte. Allerdings nennt der Beitrag kein Aktenzeichen, und der Autor scheint selbst der Szene nahe zu stehen.