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25.8.12

Outsourcing extrem: der Offshore-Lokalreporter

Die Chicago Tribune lies ihre "Lokalnachrichten" von einem Dienstleister (Journatic) schreiben. Dieser Dienstleister liess die Artikel von Drohnen auf den Philippinen schreiben (SZ):
Sie durchforsteten Polizeiberichte, Amtsblätter, Sporttabellen, Pressemitteilungen oder Studienergebnisse und zimmerten daraus grobe Texte, die dann von Muttersprachlern aufbereitet und unter falschem Namen - für Preise zwischen zwei und zwölf Dollar - an die Redaktionen geliefert wurden.

Ich gehe davon aus, dass früher oder später Ähnliches auch hier auffliegt. Die Qualität der Nachrichten ist in der letzten Jahren erbärmlich geworden, und dies schadet der Demokratie. Meistens werden lediglich Pressemitteilungen oder Behördenpropaganda umformuliert, anstelle kritisch zu recherchieren. Aktuelles Beispiel: das Statistische Bundesamt behauptet Staat reali­siert Über­schuss von 8,3 Milli­ar­den Euro. Im Text steht immerhin: "Defizit der Haushalte von Bund, Länder und Gemeinden in Höhe von 3,3 Milliarden Euro", denn lediglich die Sozialkassen hatten einen Überschuss, was Sinn der Sache ist, da sie in schlechten Zeiten das Geld wieder auszahlen. Dennoch titelt z.B. die Bertelsmann-Presse fälschlicherweise: Der deutsche Fiskus hat im ersten Halbjahr einen Überschuss von 8,3 Milliarden Euro erzielt. Bei der Springer-Presse ist es ähnlich, sie titelt Deutscher Staat erzielt Milliardenüberschuss, Deutschland schafft Milliarden-Plus, und sogar Deutschland könnte ohne neue Schulden auskommen.

(Dass der Staat sich gelegentlich Wege und Mittel ausdenkt, die Sozialkassen zu plündern, ändert nichts daran dass der Staat ein Defizit gemacht hat)

Nachtrag 26.8.2012: Tatsächlich wird der Bund dieses Jahr sogar ein Defizit von 28 Milliarden haben. (SPIEGEL)


20.1.11

"Qualitätsjournalismus" neu definieren (8): Lob für Wiesenhof

Im Rahmen des von Bertelsmann angedrohten "Qualitätsjournalismus" liefert die FTD heute einen Artikel über die Firma Wiesenhof (PHW). Diese Firma ist stolz darauf, vom aktuellen Dioxin-Skandal nicht betroffen zu sein, und die Begründung dafür ist, dass sie fast alles selbst machen. Der Artikel ist zwar sehr interessant, aber trieft dermassen von Lob, dass er fast wie eine Pressemitteilung wirkt, besonders wenn Bewunderung wie "Wesjohann hat junge Augen in einem älter werdenden Gesicht" abgegeben wird (Gibt es denn überhaupt sowas wie "alte Augen"?).

Wiesenhof - war da nicht mal was? Ja, Report Mainz hatte da was berichtet. Das steht erst gegen Ende des Artikels in einem einzigen Absatz, und die Stellungnahme der Firma ist "Die PHW-Gruppe räumte die Verstöße ein und kündigte Verträge". Dass aber seinerzeit auch gegen die Überbringer der schlechten Nachricht vorgegangen wurde, kann man hier lesen.

Nachtrag 1.9.2011: Gestern gab es erneut einen negativen TV-Bericht über Wiesenhof, wieder mit schrecklichen Bildern. Die Ausrede klingt bekannt: Es waren Mitarbeiter einer externen Firma (PM Wiesenhof und noch eine). Eine weitere Sache, die eben nicht selbst gemacht wird. In dem Bericht wurden auch Leiharbeiter gezeigt, deren Verdienst lediglich 5,50 pro Stunde war.

18.1.11

Outsourcing auf die Spitze getrieben

Leihmutter schenkt Nicole Kidman zweite Tochter (Welt)

3.9.09

Kanonenfutter wird knapp (6): outsource it!

In Afghanistan setzt Obama auf Outsourcing: das Pentagon verheizt beschäftigt mehr angestellte Zivilisten als Soldaten. (Telepolis, Congressional Research Service)

19.7.09

no change (6): yes we can outsource

Die Regierung von US-Präsident Obama möchte weiterhin Verhöre outsourcen, und hat Einspruch gegen ein Gesetz eingelegt, welches genau das verbieten würde. (Jesselyn Radack, mehr über sie hier)